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Heiraten allein macht noch nicht gesund

    Warum pudelwohl wichtiger denn je ist

    Von Oliver Schubert, stellv. Geschäftsführer der Aidshilfe NRW

 

Seit der Eheöffnung im Jahr 2017 hört man oft folgende Sätze: „Jetzt ist doch alles gut, gleiche Rechte für alle!“, „Was wollt ihr denn noch?“ oder „Warum müsst ihr Schwulen und Lesben euch als Minderheit immer wieder in den Vordergrund drängeln?“

Doch in der Zielgruppe von Aidshilfe, Schwule und anderen Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), ist längst nicht „alles gut“, wie wissenschaftliche Untersuchungen eindeutig belegen:

Das Robert-Koch Institut stell heraus, dass Schwule und andere MSM nach wie vor die am meisten von HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen betroffene Gruppe auch in NRW sind.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat herausgefunden, dass fast zwei Drittel der Bevölkerung es unangenehm finden, wenn zwei Männer sich in der Öffentlichkeit küssen. Wenn das eigene Kind homosexuell ist, würde dies sogar vier von zehn Befragten stören.

In einer Befragung der Deutschen Aidshilfe zeigte sich, dass Depressionen und Angstzustände bei schwulen und bisexuellen Männern doppelt so häufig vorkommen wie bei Heterosexuellen. Eine Ursache sind wahrscheinlich die vielen Diskriminierungserlebnisse, mit denen sie zurechtkommen müssen. Das belastet nicht nur die Menschen persönlich, sondern erschwert auch die HIV-Prävention.

Eine Studie des Berliner Senats belegt, dass das Suizidrisiko von Lesben und Schwulen zwischen 12 und 25 Jahren vier- bis siebenmal höher ist als das von Jugendlichen im Allgemeinen.

Nach all diesen erschreckenden Fakten, die zeigen, dass ein unbeschwertes Leben von nicht wenigen Schwulen und vor allem auch Trans*- und Inter*Personen bei uns lange noch nicht selbstverständlich ist, kommen nun die guten Nachrichten!

Ein niedrigschwelliges Projekt wie „pudelwohl – gesund und schwul in Dortmund“ ist ein Garant dafür, diesen Ergebnissen und gesellschaftlichen Diskriminierungsprozessen erfolgreich entgegenwirken zu können. Pudelwohl in Dortmund zeichnet aus, dass man den Ratsuchenden vorbehaltslos und akzeptierend gegenübertritt und man(n) über die eigene sexuelle Gesundheit und weitere Themen offen reden kann. Es braucht einen Schutzraum und Peers, die als „Alltagsexperten“ mit den oben beschriebenen Problematiken vertraut sind.

Pudelwohl hat Beratungskonzepte erarbeitet, die aktuelle Themen wie Safer Sex 3.0, Substanzkonsum und Sexualität, psychisches Wohlbefinden und Maßnahmen zu Diskriminierung und Stigmatisierung berücksichtigen. Diesen Anforderungen der Prävention hat sich pudelwohl in der Vergangenheit professionell gestellt und ist damit auch für zukünftige Herausforderungen bestens gerüstet.

Diese ungemein wichtige Arbeit zur Verhaltens- und Verhältnisprävention kann, und das muss klar sein, nur durch eine ausreichende Finanzierung gewährleistet werden, die die Struktur und den Bedarf von ehren- und hauptamtlicher Arbeit berücksichtigt.

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